Wenn ein geliebtes Tier stirbt
Wie wir den Abschied bewusst gestalten und mit der Trauer weiterleben können
Ein Gastbeitrag von Petra Berghaus
Manchmal kündigt es sich an. Manchmal passiert es plötzlich. Aber egal, wie der Moment aussieht – der Tod eines Haustiers trifft. Oft tiefer, als man selbst erwartet hätte.
Wer mit einem Tier gelebt hat, weiß: Es geht nicht nur um tägliche Routinen. Es geht um Beziehung. Um Nähe. Um gemeinsame Rituale, Blicke, Gesten. Wenn dieses Wesen geht, das immer da war – dann bleibt nicht nur eine Lücke im Zeitplan, sondern auch im Herzen.
Trauer ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Verbindung
Viele Tierhalterinnen und Tierhalter sind überrascht, wie stark die Trauer sie trifft. Und manchmal kommt auch Scham dazu. Weil sie denken, es sei „zu viel“. Doch die Intensität der Trauer sagt nichts über Überempfindlichkeit – sondern über die Tiefe der Bindung.
Trauer ist keine Krankheit. Sie ist eine Reaktion auf Verlust. Und sie verdient Raum.
Was beim Abschied hilft
Der Moment des Abschieds kann gestaltet werden. Das beginnt mit einfachen Fragen:
- Wo soll mein Tier sterben – beim Tierarzt oder zuhause?
- Was könnte ihm in den letzten Minuten guttun – ein vertrauter Geruch, ein leiser Satz, eine sanfte Berührung?
- Wer soll dabeibleiben – und wer vielleicht nicht?
Viele Tierkrematorien und Rosengärten bieten heute Möglichkeiten, in Ruhe und Würde Abschied zu nehmen. Auch eine kleine Zeremonie im eigenen Garten, eine Blume, ein Abschiedsbrief, ein letzter Spaziergang – all das kann helfen, den Tod greifbarer zu machen.
Und danach? Die Zeit danach ist oft still – und schwer
Wenn der Alltag ohne das Tier weiterläuft, zeigen sich oft erst die Lücken. Der Blick zur Tür. Das Geräusch, das fehlt. Das Füttern, das nicht mehr nötig ist.
Hier helfen kleine Rituale: Eine Kerze zur gewohnten Gassigeh-Zeit. Ein Erinnerungsrahmen mit Foto. Ein Ort, an dem die Urne oder ein Pfotenabdruck stehen darf.
Auch Gespräche mit anderen Tierhalter:innen können entlasten – besonders mit Menschen, die den Schmerz ernst nehmen.
Jede Beziehung ist einzigartig. Jeder Abschied auch.
Es gibt keinen richtigen Weg zu trauern. Und keine „angemessene“ Dauer. Manche brauchen Wochen. Andere Monate oder länger. Manchmal taucht der Schmerz auch viel später wieder auf – bei einem Geruch, einem Geräusch, einer Erinnerung.
Entscheidend ist: Niemand muss den Weg allein gehen. Und niemand muss sich für seine Gefühle rechtfertigen.
Über die Autorin:
Petra Berghaus ist Familientrauerbegleiterin, Illustratorin und Sängerin. Sie lebt mit ihrer Familie und Tieren in Solingen. Ihr Mitmachbuch Ich tröste dich! (OVIS Verlag) richtet sich an Kinder und Erwachsene, die lernen möchten, mit Trauer umzugehen – liebevoll, kreativ und ohne falsche Tabus. Mit dem Projekt Trost-Tiger macht sie Mut, neue Wege im Umgang mit Abschied zu finden.
www.trost-tiger.de
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Fotos: Petra Berghaus/OVIS Verlag
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