Haben Tiere ein Recht auf eine würdige Bestattung?
Egal ob Hund, Katze, Meerschweinchen, Kaninchen oder Vogel – für viele Menschen gehören ihre Haustiere zur Familie. Obwohl die Verbindung, die sich zwischen den Menschen und ihren Haustieren entwickelt, oft gut unterdrückt oder zumindest nicht öffentlich gezeigt wird, ist sie dennoch nicht selten kräftiger als Mensch-zu-Mensch-Beziehungen.
Der Schmerz über den Verlust des langjährigen, treuen Gefährten kann deshalb gleich groß sein wie beim Verlust eines Menschen. Hinzu kommt die quälende Frage: Was passiert nun mit meinem verstorbenen Haustier? Wo finde ich für meinen Partner Tier eine würdige Ruhestätte?
In den USA sind Tierbestattungen mit Leichenwagen, Pfarrer, Grabreden und Trauermusik durchaus üblich. Im Staat New York existieren bereits Pensionsschemata oder Versicherungspläne, die den Verbleib eines Haustieres nach dem Versterben seines Besitzers regeln. Auch die Einsetzung eines Tieres als Vermögenserbe ist nicht unüblich.
In unseren Breiten fehlen hingegen Zeremonien für den Tod eines Tieres oder finden keine soziale Billigung. Unverständnis und mangelndes Mitgefühl der Öffentlichkeit verleiten nicht wenige trauernde Tierbesitzer dazu, an ihren eigenen, realen Gefühlen zu zweifeln und gegen sie anzukämpfen. Dies unterbricht den Trauerprozess und intensiviert und verlängert die Trauer. Ganz allmählich jedoch etabliert sich auch hier, was in den USA als selbstverständlich angesehen wird. Denn Tierbestattung hat eine lange Tradition und ist keineswegs moderne Sentimentalität. Schon im alten Ägypten waren Begräbnisstätten für die Tiere, die als heilig galten, üblich.
Ob wir uns auf Grund der EU-Verordnung immer weiter von einer Tierbestattungskultur, die dem Tier als Lebewesen und Partner des Menschen gerecht wird, entfernen werden müssen, steht noch in den Sternen. Es zeigt sich aber, dass Tierbesitzer einen Abschied in Würde und Respekt von ihrem geliebten Tier wünschen, einen Ort an dem sie trauern, ein Grab, das sie besuchen können. Weiters zeigt sich, dass es auf diesem Gebiet ein erhebliches Informationsdefizit gibt und Aufklärungsbedarf herrscht, damit Tierbesitzer im Augenblick des Abschiednehmens vorbereitet sind, um keine Entscheidungen zu treffen, die sie vielleicht später bereuen.
Diamonds are forever
Das steirische Tierbestattungsunternehmen “Franz von Assisi” konnte uns auf Anfrage nähere Einzelheiten zu diesem Thema bereitstellen. Eine im Bundesland Steiermark durchgeführte Studie zeigt unter anderem folgende Trends auf: Für einen Großteil der befragten Tierbesitzer ist es ein unerträglicher Gedanke, ihr Haustier in der Tierkörperverwertung zu „entsorgen“. 54 Prozent äußern sich auch sehr negativ bzw. negativ über diese Bestattungsmöglichkeit. Umso verwunderlicher ist es, dass dennoch 28 Prozent der Befragten diese Form der „Entsorgung“ für ihr Haustier in Anspruch nehmen würden. Dieser Zwiespalt kann darin liegen, dass einerseits das tote Haustier, nachdem es vom Tierarzt eingeschläfert wurde, vom Tierbesitzer in der Tierpraxis zurückgelassen wird und von dort aus die leiblichen Überreste der Tierkörperverwertung, wie gesetzlich vorgeschrieben (EU-Verordnung 1774/2002), zugeführt werden. Andererseits kann es auch daran liegen, dass der Tierbesitzer keine alternativen Bestattungsmöglichkeiten kennt.
Für rund 60 Prozent der befragten Tierbesitzer ist der Tierfriedhof ein nützlicher Ort, um den Tod ihres vierbeinigen Freundes zu bewältigen. Es handelt sich dabei keineswegs um Tierhalter „vornehmer“ Rassetiere, sondern um Haustiere von Menschen die einerseits die Einäscherung andererseits die Verarbeitung ihrer Tiere in den Tierkörperverwertungsanstalten aus ethischen Gründen ablehnen.
Den Wunsch ihr geliebtes Haustier im Krematorium einzeln zu verbrennen, so dass man die Asche in einer Urne zurückbekommt, haben knappe 20 Prozent der Befragten. Vor allem weibliche Haustierbesitzer wünschen eine Alternative zur Tierkörperverwertung wünschen, jüngere Personen tendieren eher zu einer Grabstätte auf dem eigenen Grund oder auf einem Tierfriedhof. Für diejenigen, die keine rechte Freude an präparierten Kuscheltieren haben oder ihren lieb gewonnenen Hausgenossen nicht in eine Abdeckerei bringen lassen wollen, können sich ein Tiergrab mit allem drum und dran vorstellen.
Folgende Daten wurden dazu erhoben: Rund 45 Prozent möchten nicht auf den klassischen Schuhkarton als Tiersarg oder auf die Jutedecke zurückgreifen, für sie ist ein speziell angefertigter Pappsarg oder Fichtensarg „sehr wichtig“ bzw. „wichtig“. Einen Grabstein befanden 2 Drittel der Befragten für „sehr wichtig“ bzw. „wichtig“ und über 40 Prozent ein Kreuz. Ein gutes Drittel der befragten Tierbesitzer wäre bereit, zwischen 70 – 150 Euro für ein Tiergrab auszugeben.
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Franz von Assisi Tierbestattung – Graz, Steiermark
Tierfriedhof
Quelle / Foto: Franz v. Assisi Tierbestattung
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